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Malteser Freiburg

Schulsanitätsdienst

15-Jährige Lebensretterin

Freiburg / Gundelfingen. Diesen Tag wird Franziska Dörfel so schnell nicht wieder vergessen: An diesem wurde die 15-Jährige nämlich zur Lebensretterin. Am Nachmittag war im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses, in welchem die Schülerin mit ihrer Familie lebt, eine Nachbarin zusammengebrochen. Als Franziskas 10-jähriger Bruder in die Wohnung gerannt kam, um Hilfe zu holen, reagierte Familie Dörfel sofort. „Meine Mutter hat sofort den Notarzt gerufen“, erzählt Franziska „aber die Frau hatte keine Atmung mehr. Also haben mein Vater und ich mit der Reanimation begonnen.“ Franziska übernahm dabei die Herzdruckmassage und gab ihrem Papa Anweisungen, wie er die Kollabierte beatmen sollte. „Mein Vater hat sich dabei ganz auf mich verlassen“, erzählt die Gymnasiastin nicht ohne Stolz, „denn sein letzter Erste Hilfe-Kurs ist schon lange her.“ Bereits nach wenigen Minuten war glücklicherweise der herbeigerufene Notarzt vor Ort und übernahm die Reanimation für weitere 15 Minuten. Dann wurde Franziskas Nachbarin in die Uniklinik nach Freiburg gebracht. 

Der Patientin geht es wieder gut und sie konnte nach einiger Zeit aus der Reha nach Hause zurückkehren. Offensichtlich hat sie keine bleibenden Schäden davongetragen - dass das ein großer Erfolg ist, weiß Franziska. Schließlich ist die Neuntklässlerin seit zwei Jahren aktive Schulsanitäterin am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Gundelfingen. Dafür absolvierte sie auch ihre Erste Hilfe-Ausbildung. Immer montags, in der Mittagspause, treffen sich die derzeit 15 Schulsanitäter des Gymnasiums mit den beiden Ausbildern Mandy von Winkler und Maximilian Matthes. Die beiden absolvieren ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Malteser Hilfsdienst in Freiburg und kümmern sich dabei um die Ausbildung der Schulsanitäter an derzeit 35 Schulen in der Erzdiözese. Bei den regelmäßigen Treffen werden gemeinsam Fallbeispiele besprochen und offene Fragen geklärt. „Das ist eigentlich kein allzu großer Zeitaufwand“, findet Franziska. „Denn immerhin lernen wir hier ganz konkret, wie wir anderen Menschen in einem Notfall helfen können. Und das ist ein sehr gutes Gefühl!“

In verschiedenen Teams sind die ausgebildeten Schulsanitäter während des ganzen Schuljahres in Rufbereitschaft. Wer gerade im Einsatz ist, trägt ein Handy bei sich, auf welches die Sekretärinnen der Schule bei einem Notfall anrufen. Ausgerüstet sind die Schülerinnen und Schüler außerdem mit einer speziellen Notfalltasche. „Im Sommer haben wir etwas mehr Einsätze“, bilanziert Franziska abgeklärt, „doch glücklicherweise sind es meist einfachere Dinge wie Übelkeit oder Schwindel. Aber wir haben auch schon einen Schüler mit Sprunggelenksbruch oder eine gebrochene Nase und einen ausgerenkten Finger versorgt.“ Dabei haben die Schulsanitäter nicht immer einen einfachen Stand: „Einige unserer Lehrer zweifeln manchmal schon an unseren Kompetenzen, “ sagt die junger Ersthelferin leicht frustriert, „dann brauchen wir richtig Mut um zu sagen: Jetzt übernehmen wir.“


Wie kompetent die Schulsanitäterin, die später einmal Medizin studieren möchte, inzwischen jedoch tatsächlich ist, zeigte der 17. März. Ihr promptes Handeln war Gold wert. Denn Zeit ist der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Reanimation: Pro Minute, die bis zum Beginn der Herz-Lungen-Wiederbelebung verstreicht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten um etwa zehn Prozent. Aufregung verspürte Franziska dabei erst im Nachhinein: „Ich habe mir keine großen Gedanken gemacht,“ erinnert sie sich an ihren Einsatz, „sondern bin einfach nach Schema vorgegangen. Durch den Kopf gingen mir seltsamerweise sogar zwei Lieder, deren Rhythmus bei der Herzdruckmassage helfen: ‚Stayin’ Alive‘ und ‚My heart skips a beat‘.“ Gewiss half der Lebensretterin auch ihre grenzenlose Zuversicht: „Ich habe gemerkt, dass das, was wir gelernt haben, wirklich funktioniert. Deshalb war ich von Anfang an überzeugt, dass es meine Nachbarin schaffen würde.“

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